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Parade-Pferd (Motor Klassik 2/1998)
Jaguar
XK 150
Im Typ 150 fand die vor 50 Jahren vorgestellte XK Baureihe zu
höchster Reife, aber auch zu gewichtiger Fülle. Trotzdem gilt der Roadster
im Rückblick als Paradebeispiel Britischen Sportwagenbaus.
Ein
Freund, ein guter Freund ist das Schönste, was es gibt
auf der Welt - besonders wenn man das Zweitschönste schon
besitzt: einen Jaguar der XK-Baureihe. Gleichgültig,
ob es sich um einen frühen XK 120 oder um einen der letzten
XK 150 handelt - immer hat man es mit einem betörenden,
schon rund 40 Jahre alten und bisweilen kapriziösen Oldtimer
zu tun.
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Schwer
auf Draht : Speichenräder waren ein Extra, aber
im XK Ehrensache
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Da trifft es sich gut, daß der Inhaber des Jaguar-Spezialbetriebs
Carpoint nicht nur Andreas Freund heißt, sondern sich
auch in zehnjährigem Einsatz für die britischen
Sportwagen als wahrer Freund erwiesen hat. Obwohl während
der 13-jährigen Laufzeit (1948 bis 1961) des 30 357 mal
gebauten Klassikers kaum mehr als 100 Autos in Deutschland
abgesetzt wurden, sind heute allein in der Jaguar Association
210 XK registriert. Durch viele US-Importe wie den hier gezeigten
XK 150 Roadster hat der Karlsruher Händler mit zu dieser
wunderbaren Vermehrung beigetragen.
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| Tribut
an die Zeit: Panoramascheibe und Türgriffe |
Damals wie heute waren es drei Dinge, die der Mann von Welt brauchte
und auf unvergleichliche Weise im XK fand: ein aufregend dynamisches
Design, überlegene Motorleistung und den Glanz im Rennsport
errungener Lorbeeren. Verglichen mit zeitgenössischen
Konkurrenten war er zudem ein echtes Sonderangebot. Mußte
man für den BMW 507 im Jahr 1958 29 950 Mark aufbringen,
für einen Mercedes 300 SL schon 32 500 Mark und für
einen Ferrari 250 sogar 49 900 Mark, so verlangte der damalige
Importeur Lindner für einen XK 150 je nach Karosserie
und Ausstattung nur zwischen 21 250 und 23 500 Mark.
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Alle
Wege führen zum Chrom:
reiche Zier am 150 |
"Value for money", viel Auto fürs Geld, lautete stets die
Devise von Jaguar-Chef SirWilliam Lyons. Doch im Nach-kriegs-Deutschland,
als die Groschen von Otto Normalverbraucher höchstens
für eine BMW Isetta (ab 2750 Mark) oder einen VW Käfer
(ab 3790 Mark) langten, schwebte ein Jaguar in unerreichbarer
Ferne. Wenn manch einer heute das Versäumte zum Vielfachen
des einstigen Neupreises nach-holt, ist das zweifellos einer
anderen, weitsichtigen Überzeugung des Pfennigfuchsers
Lyons zu verdanken: Schöne Autos sind nicht teurer herzustellen
als häßliche.
Tatsächlich
war es vor allem das aufregend geformte Blechlkleid des XK
120, das im Oktober 1948 die Besucher der London Motor Show
verzückte. Der Roadster sah aus, als käme er direkt
von der Rennstrecke, und imponierte mit wundervoll fließenden
Linien, einer ewig langen Motorhaube und geschwungenen, sanft
in die Heckpartie übergehenden Kotflügeln. Kein
formaler Neubeginn also, sondern eine Wiederbelebung des Stils
französischer Luxussportwagen der dreißiger Jahre.
Anders als frühere Jaguar, die mit nur leicht modifizierten
Aggregaten braver Alltagswagen vorliebnehmen mußten,
war der XK 120 kein untermotorisierter Blender. Vielmehr galt
er zu seiner Zeit als schnellstes Serienauto der Stand bis
100 km/h vergingen 10,8 Sekunden. Zweifellos zu der Zeit immer
noch beachtliche Werte, aber selbst mit dem im Oktober 1959
eingeführten 3,8 Liter-Motor und 265 PS erreichte er
nicht die versprochenen 150 Meilen.
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Sparmaßnahme: gleiche Instrumentenlage für Links- und Rechtslenker

Maßarbeit: Das Moss-Getriebe lässt sich auf kurzen Wegen schalten
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Historie
1948
Premiere des XK
120 Roadstar Auf der
Londoner Motor Show
1951
Jaguar Präsentiert
das XK 120 Coupé
1953
Debüt des Cabrios
1954
Der XK 140 kommt
mit stärkerem Motor,
verfeinerte Mechanik
und leicht modifizierter
Karrosserie
1957
mit dem XK 150
verliert die Baureihe
ihren Typischen
Hüftschwung: Die neue
Generation erscheint
mit geglättetem Blech
und Scheibenbremsen
1959
3,8 Liter- Motor
auf Wunsch lieferbar
1960
Produktionsende
für Cabrio und Roadster,
das Coupé läuft
1961aus
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Platz da: mehr Raum, aber weniger Stil im Coupé
 Einzelstück:
XK 150 SE von Zagato (März 1958)

Prototyp:
XK 150 von Bertone im Alfa-Stil
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Auch
optisch hatte das erstmals grundlegend veränderte Modell
Speck angesetzt. Der hinreißende Hüftschwung wurde
zugunsten von mehr Ellenbogenfreiheit und einer strafferen,
höheren Gürtellinie geopfert, die Karosserie wirkte
bauchiger und weniger rassig. Im Cockpit ersetzte Lederbezug
die altenglische Walnuß-Täfelung, was Jaguar-Enthusiasten
bedauerten, der auf Funktionalität bedachte Rennfahrer
Paul Frére indes begrüßte. Er lobte darüber
hinaus die bessere Sicht durch die seitlich herumgezogene
Panoramascheibe und die großzügigeren Platzverhältnisse,
die in Verbindung mit dem teleskop-artig verstellbaren Vierspeichen-Lenkrad
eine bequemere Fahrposition ermöglichten.
"Ein
Sportwagen ist kein Kabinett auf Rädern"
In seiner zehnjährigen
Entwicklung hat das sportliche Jaguar-Serienmodell
immer wieder an Gewicht zugenommen. Trotz unveränderter
Fahrgestellabmessungen bietet die neue, bequemere
Karosserie ferner der Luft eine größere
Widerstandsfläche. So ist der Wagen trotz
höherer Motorleistung nur wenig schneller,
dafür aber - im gesamten gesehen - ein
viel besseres, ausgeglicheneres Automobil geworden.
Laufruhe, Straßenlage, Lenkung, Federung
und innere Bequemlichkeit entsprechen jetzt
den Anforderungen, die an einen modernen Reisewagen
gestellt werden.
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| Den Motor und Sport- Test
1958 Schrieb der Rennfahrer Paul Frére |
Daß
das Armaturenbrett des XK 150 nicht mehr serienmäßig
mit Walnußholz beschlagen ist, muß
nach britischen Maßstäben als eine
kleine Revolution angesehen werden. Ein moderner
Sportwagen ist kein Kabinett auf Rädern,
und Holz hat darin nichts mehr zu suchen. Aber
zur Verwendung von nacktem, lackiertem Blech
hat man sich doch nicht entschließen können.
Der Kunstlederüberzug macht nicht nur einen
wärmeren Eindruck als bloßes Blech,
sondern ist auch praktisch, weil er nicht so
leicht zerkratzt. Obwohl es jetzt Sportwagen
gibt, die noch schneller sind als der XK 150,
gibt es kaum einen, der noch so zivilisiert
ist - und das bei einem verhältnismäßig
niedrigen Preis.
Paul Frère
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| Glanz-Stück: Sechszylinder mit Poliertem
Zylinderkopf |
Nach heutigen Maßstäben sitzt man freilich zu tief hinter
dem riesigen Volant, vermißt neben der Seitenführung
auch eine Lehnenverstellung der Ledersitze und vor allem etwas,
das sich als Heizung oder Lüftung bezeichnen ließe.
Obwohl die technische Basis im Prinzip unverändert blieb,
hat sich die XK-Reihe wie später der E-Type im Laufe
der Jahre vom kompromißlosen Sportler zu einem gesetzten
Tourenwagen gewandelt. Unter fahrdynamischen Aspekten muß
man dies eindeutig begrüßen, denn während
der 120 noch reines Vorkriegs-Feeling vermittelt, wirkt der
150 durchaus neuzeitlich. Mit seiner Zahnstangenlenkung, verstärkten
Torsionsstäben vorne sowie Teleskop-stoßdämpfern
hinten läßt er sich viel präziser und berechenbarer
dirigieren. Der Fortschritt zeigt sich aber vor allem in den
wirksamen, standfesten Scheibenbremsen des letzten Modells.
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| Lyons Devise: "Schöne Autos
sind nicht teurer herzustellen als häßliche" |
Erfreulich
ist auch, daß über die kontinuierliche Leistungssteigerung
des Motors seine große Stärke nicht verlorenging.
Der kernige, dumpf grollende Langhuber verblüfft immer
wieder mit seiner geschmeidigen Durchzugskraft, die ihn noch
heute den berühmten Lyons-Test bestehen läßt
- saubere Beschleunigung im größten Gang von zehn
Meilen pro Stunde bis zur Spitze.
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| Komfort
statt Sport: erstmals gab es im XK 150 Roadster neben
Armlehnen auch Kurbelfenster |
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Reißerisch:
Das Wappen und die Typbezeichnung
versprechen mehr, als der Jaguar halten kann |
Dabei konnte der zeitgenössische Käufer sich mit dem wahlweise
lieferbaren Overdrive und verschiedenen Hinterachsuntersetzungen
ein Auto nach persönlichem Geschmack und Einsatzgebiet
schneidern. Wer sich mit einem XK 150 in den modernen Verkehr
begibt, merkt jedenfalls am wenigsten bei Temperament und
Straßenlage, daß er einen Oldtimer fährt.
Eher sind es die ungewohnte Sitzposition, die hohen Bedienungskräfte
und thermische Probleme, die Sorgen bereiten. Aber da kann
Carpoint mit Einbauten wie Bremsservo und Zusatzkühler
weiterhelfen - ein Freund, ein guter Freund eben.
Bernd Stegemann

Technische Daten & Fakten
Motor:
Sechszylinder-Reihenmotor, vorn längs eingebaut,
zwei obenliegende Nockenwellen, angetrieben
durch Kette, siebenfach gelagerte Kurbelwelle,
Bohrung x Hub 83 x 106 mm, Hubraum 3442 cm3,
Verdichtung 8:1, Leistung 210 PS bei 5500/mm,
maximales Drehmoment 267 Nm bei 3000/mm, ab
Oktober 1959 wahlweise mit 3,8 Liter-Motor,
Hubraum 3781 cm3, Bohrung x Hub 87 x 106 mm,
Leistung 265 PS bei 5500/mm, max. Drehmoment
333 Nm bei 3000/mm, Gemischaufbereitung jeweils
durch zwei SU-Horizontal-Doppelvergaser H6 mit
elektrisch geregeltem Automatik-Choke
Kraftübertragung:
Hinterradantrieb, Einscheiben-Trockenkupplung,
Vierganggetriebe mit Mittelschaltung, erster
Gang nicht synchronisiert, Übersetzungen:
l. 2,98, II. 1,75, III. 1,21, IV. 1,0, Antrieb
3,54
Karosserie/Fahrwerk:
Stahlblechkarosserie (Hauben aus Alu) auf Kastenrahmen
mit vier Querverstrebungen, vorne Einzelradaufhängung
mit Trapez-Dreiecksquerlenkern, Torsionsstabfeder
und hydraulischen Teleskopstoßdämpfern,
hinten Starrachse an Halbfedern, Teleskopstoßdämpfer,
Zahnstangenlenkung, vier Scheibenbremsen mit
Bremskraftverstärker, Reifen 6,00-16, FeIgen
5x16
Abmessungen/Gewicht: Radstand/Länge
2590/4500 mm, Breite/Höhe 1640/1395 mm,
Spur vorne/hinten 1310 mm, Gewicht vollgetankt
zirka 1390 kg
Fahrleistungen: Beschleunigung
0-100 km/h 10,8 s, Höchstgeschwindigkeit
200 km/h (Testwerte aus auto motor und sport
19/58, Jaguar XK 150 Coupé)
Verbrauch: 18,7 Liter
auf 100 km (Test-wert aus auto motor und sport
19/58)
Neupreis: (Roadster,
1958) 21 250 Mark
Bauzeit: (XK 150 Roadster)
1958-1 960
Stückzahl: (alle
XK 120 bis 150)30357
Club: Jaguar Association
Germany, Tel. 02473/1 453, Fax 1415
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